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Leben

Ein Selbstgespräch | Liebes Unterbewusstsein, …

Ich gehöre zu den Personen, die ziemlich oft und ziemlich viel träumen. Da ist dann auch meistens die gesamte Palette vertreten: von gruselig, über merkwürdig, bis hin zu tiefgründig. Alles dabei. An die meisten Träume kann ich mich nicht bzw. nur sehr vage erinnern. Manche Träume sind so absurd, dass ich sie sogar schnell verdränge und damit bewusst vergessen möchte. Andere Träume beunruhigen mich schon im Traum so sehr, dass ich mir nach dem Aufwachen nicht sicher bin, ob das wirklich nur ein Traum war. Die meisten werden dieses Gefühl kennen. Aufzuwachen und noch immer tieftraurig oder wütend zu sein. Das ist gerade deshalb so verwirrend, weil die Gefühle echt sind, aber nur selten direkt zugeordnet werden können. Diese Träume schleppe ich Ewigkeiten mit mir herum, grüble über sie nach und beratschlage mit meinem Freund oder meiner BFF, was sie zu bedeuten haben.

Die meisten Träume werden von unserem Unterbewusstsein dazu genutzt, noch nicht verarbeitete Ereignisse aufzuarbeiten und ein Signal zu senden, dies im bewussten Zustand, also wenn man wach ist, nachzuholen. Glücklicherweise habe ich in meinem Leben noch nicht viele traumatisierende Erfahrungen machen müssen, die mich in meinen Träumen verfolgen. Aber wie sagt man so schön? Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Die Päckchen der Vergangenheit

Von meinem derzeitigen Päckchen habe ich eine ganz schön lange Zeit nichts mitbekommen. Umso überraschter war ich, als mich mein Unterbewusstsein mit immer wiederkehrenden Träumen an den Bruch mit einer Kindheitsfreundin vor zwei Jahren erinnerte.

Es waren damals merkwürdige Umstände, die zu diesem Bruch geführt haben und mittlerweile bin ich mir sicher, dass wir überreagiert haben. Viele Missverständnisse und unausgesprochene Worte führten schlichtweg zum Supergau. Ich kann mich noch gut an diese Tage erinnern – an die vielen Gespräche und Versuche, über diese Dinge zu reden. Damals habe ich fest daran geglaubt, dass wir dieses gesamte Ereignis, dieses große Missverständnis oder missverstehen wollen, diesen Streit, nach einiger Zeit hinter uns lassen können und fast 20 Jahre Freundschaft nicht einfach so wegwerfen würden. Ich habe so fest daran geglaubt, dass ich mich bei den Telefonaten ziemlich zurücknahm und nicht all das sagte, was ich damals hätte sagen wollen. Für mich war klar: will ich das was wir haben, unsere Freundschaft, retten, kann ich meinem Ärger aus einer Laune heraus nicht einfach Luft machen, nur damit ich mich besser fühle. Ich versuchte uns eine Chance zu geben.

Vielleicht lässt mich das nach all der Zeit nicht los – meine damaligen Gedanken nicht losgeworden zu sein, während mir alle meine Fehler und Schwächen an den Kopf geworfen wurden wie beim Völkerball. Alles was ich jemals falsch gemacht hatte, all die Momente in denen ich eine schlechte Freundin war. Klar, ich trage eine große Mitschuld an allen Vorkommnissen. Davon würde ich mich niemals freisprechen wollen. Wir sind alle nur Menschen, you know? Aber alles wegwerfen aus Wut? Ich hielt es damals für eine schlechte Entscheidung und dieser Meinung bin ich noch heute.

Das berühmte „Hinter sich lassen“

Das Schlimmste ist im Grunde eigentlich nicht das Versäumnis, meine Gedanken nicht ausgesprochen zu haben. Ich weiß, sie hätten alles nur schlimmer gemacht und uns keine Möglichkeit gegeben neu anzufangen. Am schlimmsten ist ganz einfach der Verlust, der große Teil meines Lebens, auf den ich nun wehmütig zurückblicken muss, anstatt freudig an ihn zu denken. Aber vielleicht kann ich das irgendwann in ferner Zukunft.

Das ganze hier ist also ein kleiner Versuch etwas aufzuarbeiten. Das tue ich hier und jetzt für meinen Seelenfrieden, meinen zur Zeit unausgewogenen Schlafrhythmus und aus Selbstreflektion. Und wenn schon nicht ausgesprochen, dann zumindest verschriftlicht. Denn wisst ihr, das Unterbewusstsein lernt bei jeder Entscheidung, bei jedem Lebensweg, den man einschlägt, mit. Es merkt sich alle Gefühle, jedes Lachen und ganz sicher alle Tränen und jeden Schmerz den unsere Entscheidungen verursachen. Es will uns warnen, beschützen und uns vor der Wiederholung gleicher Fehler warnen.

Liebes, cleveres Unterbewusstsein: danke, danke, danke. But please, shut up.

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